Renaissance1490

La Belle Ferronnière

Leonardo da Vinci

Das Auge des Kurators

"Das Vorhandensein der "Ferronnière", des Stirnjuwels, und der meisterhafte Einsatz der Brüstung zur Distanzschaffung."

Ein Meisterwerk des Mailänder Hofes, in dem Leonardo das moderne psychologische Porträt durch einen Blick von magnetischer Intensität erfindet.

Analyse
La Belle Ferronnière, gemalt um 1490-1496, stellt einen der Höhepunkte der Renaissance-Porträtmalerei während Leonardos Mailänder Zeit dar. Im Gegensatz zu den statischen Porträts des Quattrocento führt Leonardo hier eine beispiellose psychologische Spannung ein. Das Modell wird traditionell als Lucrezia Crivelli identifiziert, eine der Mätressen von Ludovico il Moro. Was sofort auffällt, ist die Drehung des Körpers: Die Schultern sind in Dreiviertelansicht, während sich das Gesicht dem Betrachter zuwendet. Diese stilistische Neuerung, die Leonardo als "moti mentali" (geistige Bewegungen) bezeichnete, deutet auf einen Geist in Bewegung und ein komplexes Innenleben hin. Die stilistische Analyse offenbart eine absolute Beherrschung des Sfumato, wenn auch subtiler und weniger verschwommen als in der Mona Lisa. Leonardo nutzt Schatten, um das Gesicht zu modellieren und ein fast greifbares Relief zu schaffen. Der Kontrast zwischen dem porzellanhellen Gesicht und dem tiefschwarzen Hintergrund ist eine Lektion in Chiaroscuro. Man muss die Wiedergabe der Materialien aufmerksam beobachten: den roten Samt des Kleides, die schwarzen Seidenbänder und die Reflexionen auf den Perlen der Halskette. Jede Textur wird mit wissenschaftlicher Präzision behandelt. Der Blick scheint dem Betrachter zu folgen, eine technische Meisterleistung, die mit der Profiltradition bricht. Im historischen Kontext ist dieses Porträt das Symbol für die Kultiviertheit des Sforza-Hofes. Zu dieser Zeit versucht Leonardo, die Malerei in den Rang einer Wissenschaft zu erheben. Ein Porträt soll nicht nur die physischen Merkmale kopieren, sondern die "Bewegungen der Seele" einfangen. La Belle Ferronnière verkörpert diese ideale Hoffrau: edel, geheimnisvoll und von scharfem Verstand. Das Juwel auf ihrer Stirn ist der Ursprung des Werktitels, symbolisiert aber auch Strenge und Zurückhaltung. Dieses Bild markiert den Übergang zur Hochrenaissance. Technisch gesehen verwendete Leonardo eine Walnussholzplatte. Die Farbschichten sind so dünn, dass sie fast nicht wahrnehmbar sind, was Tonübergänge von unendlicher Sanftheit ermöglicht. Der Einsatz der Brüstung im Vordergrund ist eine geniale Erfindung: Sie trennt die reale Welt des Betrachters vom heiligen, privaten Raum des Modells. Die daraus resultierende Psychologie ist die einer Frau, die ihrer Macht gewiss ist, deren Zurückhaltung jedoch eine emotionale Komplexität verbirgt, die Leonardo nicht vollständig preisgeben will.
Das Geheimnis
Neuere wissenschaftliche Analysen haben ergeben, dass Leonardo während der Entstehung größere strukturelle Änderungen vornahm. Ursprünglich war das Modell "statischer". Ein Geheimnis liegt auch im roten Pigment des Kleides, dessen Sättigung durch eine seltene Komplexität übereinanderliegender Lasuren erreicht wurde. Zudem gab es im frühen 20. Jahrhundert eine berühmte Kontroverse über die Authentizität des Werks, bevor der Louvre die Zuschreibung an Leonardo endgültig bestätigte.

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Institution

Musée du Louvre

Standort

Paris, Frankreich