Zu den sehr realen Geheimnissen dieses Werks gehören Röntgenuntersuchungen und restauratorische Analysen, die bestätigt haben, dass Frida ursprünglich beabsichtigt hatte, ihren Oberkörper geschlossen zu malen, wie in ihren früheren Selbstporträts. Erst während des kreativen Prozesses entschied sie sich, sich buchstäblich "zu öffnen", eine Entscheidung, die die emotionale Wirkung des Gemäldes radikal veränderte. Dieser Spalt ist nicht nur symbolisch; er entspricht der Realität ihrer wiederholten chirurgischen Eingriffe.
Ein weiteres oft übersehenes Detail betrifft die Anzahl der Nägel. Forscher haben festgestellt, dass die Verteilung der Nägel den Bereichen der Nervenschmerzen folgt, die Frida in ihrem privaten Tagebuch beschrieb. Der größte Nagel ist nicht in die Säule getrieben, sondern in ihre linke Brust, direkt über dem Herzen, was bestätigt, dass die "gebrochene Säule" ihres Lebens ebenso sehr mit ihrer Trennung von Diego wie mit ihren zertrümmerten Wirbeln zu tun hatte.
Das weiße Korsett ist keine künstlerische Erfindung, sondern eine getreue Darstellung des Taylor-Orthopädie-Korsetts, das die Künstlerin damals trug. Frida achtete jedoch darauf, es so zu malen, als wäre es ein Haute-Couture-Kleidungsstück oder eine Rüstung, und verwandelte ein medizinisches Folterobjekt in ein Symbol der Macht und Selbstbehauptung. Die Tränen sind zwar sichtbar, stehen aber nicht im Mittelpunkt; sie sind mit einer solchen Transparenz gemalt, dass sie Perlen gleichen und die Kostbarkeit ihres Leidens unterstreichen.
Schließlich enthält die Hintergrundlandschaft, obwohl sie wüstenartig erscheint, Risse, die geometrisch den Spalten in der ionischen Säule entsprechen. Pigmentanalysen zeigen, dass Frida natürliche mexikanische Ockerfarben verwendete, um ihren Körper mit der Erde ihrer Vorfahren zu verbinden. Diese Verbindung legt nahe, dass ihr Schmerz eine Erweiterung des Schmerzes der mexikanischen Erde ist, eines Landes, das selbst durch Geschichte und Revolutionen gespalten ist.