Realismus1845
Der Verzweifelte
Gustave Courbet
Das Auge des Kurators
"Der starre Blick und die in das Haar gekrallten Finger, die den Moment des mentalen Bruchs einfangen."
Ein paroxystisches Selbstporträt, das den Übergang von der Romantik zum psychologischen Realismus markiert.
Analyse
Entstanden um 1843-1845, ist "Der Verzweifelte" mehr als eine bloße Ausdrucksstudie; es ist eine Absichtserklärung des jungen Courbet. Die dramatische Lichtführung erinnert an Caravaggio und verleiht der Haut eine fast greifbare Präsenz. Der Künstler bricht mit den statischen Posen der Tradition und zeigt sich in einem Zustand emotionalen Schocks, was eine neue Ära der Porträtkunst einleitet.
Psychologisch erkundet das Werk die Qualen des "verfluchten" Künstlers, eine Schlüsselfigur der Romantik. Doch Courbet injiziert eine neue Materialität. Das zerknitterte weiße Hemd und die Aufmerksamkeit für die Haarstruktur offenbaren einen fast klinischen Ansatz. Das Werk dient als technisches Experimentierfeld, auf dem die Feinheit des Pinsels die Gewalt des Gefühls verstärkt.
Courbet war diesem Gemälde so verhaftet, dass er es sein Leben lang behielt und sogar ins Schweizer Exil mitnahm. Röntgenanalysen zeigten, dass es sich nicht um einen ersten Entwurf handelt: Unter der Oberfläche liegen Korrekturen, die beweisen, dass Courbet seine "Verzweiflung" sorgfältig orchestrierte. Es gibt auch Parallelen zu den zeitgenössischen medizinischen Darstellungen von Geisteskrankheiten.
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