Romantik1844
Regen, Dampf und Geschwindigkeit
Joseph Mallord William Turner
Das Auge des Kurators
"Der Hase, der vor dem Zug herläuft, als Symbol für die natürliche Geschwindigkeit, die von der mechanischen Technik überholt wird."
Die Apotheose der industriellen Revolution: Turner fängt die kinetische Kraft einer Lokomotive ein, die das atmosphärische Erhabene durchbricht.
Analyse
Dieses Meisterwerk von 1844 ist J.M.W. Turners prophetisches Testament der Moderne. Mit einer Technik aus übereinanderliegenden Lasuren und kräftigem Impasto löst er die feste Form der Great Western Railway in einem Sturm aus Licht und Feuchtigkeit auf. Der Künstler malt keinen Zug, sondern die sensorische Erfahrung von Geschwindigkeit. Die Lokomotive scheint aus einem metaphysischen Nichts aufzutauchen und symbolisiert den brutalen Einbruch des Fortschritts in die englische Hirtenidylle.
Der historische Kontext ist der eines Englands im Wandel, in dem die Eisenbahn das Verhältnis von Zeit und Raum neu definiert. Psychologisch drückt Turner eine faszinierende Ambivalenz aus: Bewunderung für die schöpferische Kraft des Menschen, gepaart mit der Angst vor dem technologischen "Erhabenen". Die Pinselführung ist hier fast abstrakt und nimmt die Forschungen der Impressionisten um vierzig Jahre vorweg.
Eine hartnäckige Legende besagt, dass Turner während eines Sturms minutenlang den Kopf aus einem Zugfenster hielt, um das Chaos physisch zu spüren. Röntgenanalysen zeigten, dass er die frische Farbe mit seinen Fingernägeln zerkratzte, um den Sprüheffekt von Wasser zu verstärken. Der Hase auf den Schienen ist ein fast unsichtbares Symbol für die biologische Geschwindigkeit, die gegen den Dampf machtlos ist.
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Welches symbolische Element verwendet Turner, um das Veralten der biologischen Geschwindigkeit angesichts der industriellen Revolution zu illustrieren?
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